KI stand wenig überraschend komplett im Zentrum der Konferenz. Die Tendenzen sind klar: Europa verliert stark an Anschluss. Zwischen den USA und China gibt es aktuell nicht viel zu holen. Unsere Welt wird sich sehr stark verändern. Dank KI gibt es neue Berufsgruppen, neue Einsatzgebiete und Alternativen für den Mangel an Fachkräften.
Aus Schweizer Sicht müssen wir sehr dankbar sein, dass wir auf die ETH Zürich und die EPFL Lausanne zählen dürfen. So entstammt das bisher einzige Schweizer LLM aus diesen beiden Instituten. Gleichzeitig arbeiten viele spannende Persönlichkeiten an und mit KI.
Die A3F ist die Tech- und Innovations-Konferenz von E-Commerce GOAT Alan Frei. Ziel der Konferenz: Put Zurich on the tech map. Die Schwerpunkte sind wenig überraschend: AI, Robotics, Blockchain, Deep Tech. Mit der ETH Zürich (und der EPFL Lausanne) gab es einige spannende Projekte zu bestaunen.
Die Konferenz im Kaufleuten war geprägt von gutem Kaffee (Flat white for the win), unkompliziertem Austausch und wirklich spannenden Gästen.
Peter von Anybotics hat den Reigen eröffnet und gleich aufgeräumt mit dem Klischee, dass Roboter primär Arbeitsplätze fressen. Sein Punkt: Wer einen Roboter wirklich nutzen will, muss ihn in die bestehenden Workflows integrieren. Das Training passiert sogar schon, bevor ein Roboter gebaut wird. So werden virtuell z.B. schon tausende von Treppen simuliert, sodass der Roboter sofort kleine, grosse, breite und schmale Treppen überwinden kann.
In einem US-amerikanischen Stahlwerk übernimmt z.B. ein Roboter Aufgaben, für die schlicht niemand mehr zu finden ist. Statt einen Job wegzunehmen, schliesst er eine Lücke und schafft gleichzeitig neue Rollen rundherum, von der Wartung bis zum Modell-Training.
Im Panel mit Alex Ilic (ETH AI Center), Jürg Müller (Avenir Suisse) und Carla Bünger (Phoenix Technologies AG) ging es um die grosse Frage: The Future of AI in Switzerland
The good news: Die Wechselkosten zwischen KI-Modellen sind aktuell noch klein. Wer heute auf Gemini setzt, kann morgen ohne grossen Schmerz zu Claude wechseln. Ein Lock-in-Effekt wie bei klassischen Plattformen ist (noch) nicht entstanden. Genau dieses Zeitfenster sollten wir als Unternehmen nutzen, um zu experimentieren.
Was im Gespräch auch noch erwähnt wurde: Es gibt erst (oder nur) eine Schweizer KI-Lösung: Apertvs. Apertvs entwickelt ein offenes, transparentes KI-Modell als Alternative zu Chat GPT & Co. Diese KI hat seit Jahresbeginn bereits 2,5 Millionen Downloads. Sehr beachtlich. Hoffen wir, dass wir noch viel davon hören werden.
Lea-Sophie Cramer und Andrea Silberschmidt-Buhofer haben in ihrem Panel etwas Spannendes angemerkt. Und zwar ist ihr Lieblings-Gedankenexperiment für jedes Pitch-Deck:
«Würden wir auch investieren, wenn das Startup keine KI hätte?»
Heisst: Die KI darf der Hebel sein, aber nicht das ganze Argument. Wenn das Geschäftsmodell nur funktioniert, weil zwei Buchstaben im Pitch stehen, ist die Sache sehr unsicher. Das ist stellvertretend für den aktuell sehr grossen KI-Hype.
Spannend war auch der Hinweis, wo KI gerade nicht hinkommt: Nämlich dorthin, wo es um den eigenen Körper geht. Den eigenen Körper fit halten kann (zum Glück) kein Modell für dich übernehmen. Daraus folgt: enormes Potenzial in Sport, Longevity und Health.
Sport wird z.B. durch KI sehr enabled. Die Produktionskosten sinken, die Kameras werden besser, die Zusammenfassung kann geschnitten werden. Aber der Sport selbst wird weiterhin von Menschen ausgeübt. Und nicht durch Roboter.
Das wahrscheinlich konkreteste Zukunfts-Update kam von Martin Neubauer (Head of Autonomous Mobility, PostAuto) im Panel «Robo Taxi Race» gemeinsam mit Roger Juanola J. von WeRide.
Die zwei Prognosen, die hängengeblieben sind:
Aus einem Bus-Operator wird damit Schritt für Schritt ein Mobility-Tech-Unternehmen. Wer denkt, autonomes Fahren sei ein Hype aus dem Silicon Valley, sollte den nächsten gelben Bus genauer anschauen.
Der heimliche Star war natürlich «The Woz». Fairerweise muss gesagt werden: Er ging nicht auf die Fragen von Alan Frei ein, sondern hat einfach erzählt. Das war erfrischend. Und sehr spannend. Es ging darum, wie er Computer in den 80er-Jahren so lange zusammen- und auseinandergebaut hat, bis er sie komplett verstanden hat.
Sein bestes Zitat: Smart People don’t lock doors. So ging er am Wochenende immer an die Uni, um die vorhandenen Computer zu benutzen.
KI ist ein riesiges Potenzial und ein grosser Hype gleichzeitig. Es gibt wirklich viel KI-blabla da draussen. Und gleichzeitig setzen sich die ersten richtig guten Ideen durch. Die Roboter von Anybotics sind unglaublich entwickelt. Die Anwendungsfälle ultra spannend.
Wie so oft liegt die Wahrheit wahrscheinlich zwischen diesen Extremen. Ich bin nun auf jeden Fall hochmotiviert, die ersten guten Cases bei About Digital zu entwickeln.
Hier nochmal die spannendsten Aussagen oder einfach gute random Erkenntnisse von diesem Tag:
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